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Woher kommt unser Ingwer? Was die Handelsstatistik zeigt

Woher Ingwer im deutschen Handel kommt, warum die Statistik vor allem die Niederlande zeigt und wie du die Herkunft beim Einkauf erfährst.

Emanuel Goldstein 17. Oktober 2026 11 Min Lesezeit

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Viele ganze Ingwer-Rhizome mit hellbrauner Schale, dicht aufgeschüttet in einer Auslage

Ganze Ingwer-Rhizome in einer Auslage. Foto: Donghun Shin / Unsplash

Ingwer wächst in tropischen und subtropischen Ländern und wird in jedem Monat des Jahres nach Deutschland eingeführt. 2025 wurden laut der EU-Handelsstatistik Eurostat Comext rund 24.500 Tonnen unzerkleinerter Ingwer eingeführt. Nach Deutschland kommt Ingwer zum größten Teil über die Niederlande; direkt aus Ländern außerhalb der EU lieferten 2025 vor allem Peru, China und Vietnam. Eine Pflicht zur Angabe des Ursprungslandes nach der EU-Vermarktungsnorm gilt für Ingwer nicht. Achte deshalb auf freiwillige Angaben oder frag nach.

Wo wächst Ingwer eigentlich, und welchen Weg nimmt er bis in deine Küche? Hier erfährst du, was die amtliche Handelsstatistik über die Herkunft verrät, wo ihre Grenzen liegen und wie du beim Einkauf mehr über die Herkunft deines Ingwers herausfindest. Mehr zur Pflanze steht im Ingwer-Wiki.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zu den wichtigsten Anbauländern zählen laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) Indien, Nigeria und China.
  • Deutschland führt unzerkleinerten Ingwer in jedem Monat des Jahres ein, zum größten Teil über die Niederlande. Direkt aus Ländern außerhalb der EU lieferten 2025 vor allem Peru, China und Vietnam.
  • Ingwer unterliegt nicht der EU-Vermarktungsnorm für Obst und Gemüse; deren Pflicht zur Angabe des Ursprungslandes gilt für ihn nicht. Bei verpacktem Bio-Ingwer mit EU-Bio-Logo steht im Sichtfeld des Logos, ob die Zutaten aus EU- oder Nicht-EU-Landwirtschaft stammen.

Wo wächst Ingwer?

Ingwer (Zingiber officinale) ist eine schilfartige Staude aus der Familie der Ingwergewächse. Verwendet wird ihr Wurzelstock, das Rhizom; botanisch ist er keine Knolle. Seine Heimat liegt laut BZfE in den tropischen und subtropischen Regionen Mittel- und Südostasiens. Zu den wichtigsten Anbauländern zählen heute Indien, Nigeria und China.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beziffert die weltweite Ingwerernte 2024 auf knapp 4,9 Millionen Tonnen. Allein Indien meldete rund 2,3 Millionen Tonnen, danach folgen Nigeria und China. Ein Teil dieser Werte ist von der FAO geschätzt oder ergänzt, nicht amtlich gemeldet. Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) nennt als Anbaugebiete unter anderem Indien, Indonesien, China und Südamerika. Vor allem Peru hat sich laut LAVES auf den Anbau von Bio-Ingwer spezialisiert.

Wie viel Ingwer kommt nach Deutschland?

Die EU-Handelsstatistik Eurostat Comext verzeichnet für unzerkleinerten Ingwer (Warennummer 0910 11 00) Einfuhren nach Deutschland in jedem Monat des Jahres. 2025 waren es rund 24.500 Tonnen. Von Monat zu Monat schwankte die Menge zwischen knapp 1.400 und gut 2.500 Tonnen.

Eine Einschränkung gilt: Unter dieser Warennummer erfasst die Statistik Ingwer, der „weder gemahlen noch sonst zerkleinert“ ist. Das umfasst frischen und ganzen getrockneten Ingwer. Eine eigene Position nur für frische Ware gibt es nicht. Wir sprechen deshalb von unzerkleinertem Ingwer.

Warum steht in der Statistik vor allem „Niederlande“?

Der größte Teil der Einfuhren nach Deutschland kam 2025 aus den Niederlanden. Angebaut wird der Ingwer dort aber nicht unbedingt. Das liegt an der Art, wie Eurostat zählt: Bei Einfuhren aus Ländern außerhalb der EU ist das Partnerland das Ursprungsland. Bei Lieferungen aus einem anderen EU-Staat ist es dagegen das Versendungsland, also der Staat, aus dem die Ware nach Deutschland geschickt wurde.

Die Niederlande selbst führten 2025 laut Comext rund 113.500 Tonnen unzerkleinerten Ingwer ein, vor allem aus China, Brasilien und Peru. Welcher Teil davon später nach Deutschland weiterging, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Die Statistik zeigt also, über welches Land Ingwer kommt, aber für Ware aus der EU nicht, wo er gewachsen ist. Was die Handelsstatistik für Kurkuma zeigt, liest du in Woher kommt Kurkuma?.

Welche Länder liefern direkt nach Deutschland?

Der kleinere Teil der Einfuhren kommt direkt aus Ländern außerhalb der EU. 2025 lagen dabei Peru, China und Vietnam vorn, mit Abstand folgten unter anderem Indien, Nepal und Brasilien. Die Mengen aus den einzelnen Ländern schwankten von Monat zu Monat stark.

Die Reihenfolge ist nicht fest. 2024 kam der größte Teil der Direkteinfuhren aus China, mit deutlichem Abstand vor Peru und Brasilien. Auffällig ist auch: Aus Indien und Nigeria, zwei der wichtigsten Anbauländer, kamen 2025 nur vergleichsweise kleine Mengen direkt nach Deutschland. Gründe für solche Verschiebungen nennt die Statistik nicht.

Frage Was die Statistik zeigt Wo ihre Grenze liegt
Wann wird eingeführt? in jedem Monat des Jahres Monatsmengen schwanken
Wie viel kam 2025? rund 24.500 Tonnen frischer und ganzer getrockneter Ingwer zusammen
Über welches EU-Land? zum größten Teil über die Niederlande zeigt das Versendungsland, nicht das Anbauland
Direkt von außerhalb der EU (2025)? vor allem Peru, China und Vietnam 2024 war die Reihenfolge eine andere
Woher stammt mein Stück? keine Angabe nur Etikett oder Nachfrage helfen

Kommt Ingwer per Schiff oder per Flugzeug?

Ist dein Ingwer geflogen oder mit dem Schiff gekommen? Für einen Teil der Ware gibt die EU-Handelsstatistik darauf eine Antwort. Bei Einfuhren aus Ländern außerhalb der EU hält sie fest, mit welchem Verkehrsmittel der Ingwer in die EU gelangt. Für unzerkleinerten Ingwer, der direkt nach Deutschland kam, sieht das laut Eurostat Comext so aus:

Direkteinfuhr nach Deutschland 2024 2025
per Schiff 7.673 Tonnen 3.946 Tonnen
per Flugzeug 185 Tonnen 295 Tonnen
auf der Straße 2 Tonnen 56 Tonnen

Der größte Teil der Luftfracht kam 2025 aus Brasilien. Die rund 227 Tonnen, die direkt von dort kamen, waren vollständig als Luftfracht erfasst. Aus Peru, China und Vietnam kam unzerkleinerter Ingwer dagegen ganz überwiegend per Schiff.

Diese Zahlen gelten allerdings nur für den kleineren Teil der Einfuhren. Das Verkehrsmittel erfasst die Statistik nur an der EU-Außengrenze. Für den Großteil, der über die Niederlande oder andere EU-Länder nach Deutschland kommt, fehlt die Angabe. Ingwer aus Brasilien kommt auch nicht zwangsläufig per Flugzeug: In die Niederlande gelangte er 2025 überwiegend per Schiff.

Das Herkunftsland allein verrät dir also nicht, ob dein Ingwer geflogen ist. Eine belastbare Klimabilanz für Ingwer im deutschen Handel haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Ist dir der Weg wichtig, frag im Geschäft nach, woher der Ingwer kommt und wie er transportiert wurde.

Gibt es Ingwer aus Deutschland?

In Bayern wurde Ingwer in Versuchen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und in einem Praxisbetrieb im ungeheizten Folientunnel angebaut. Eine heimische Handelssaison ist damit aber nicht belegt. Deshalb steht Ingwer auch nicht im Saisonkalender von The GREEN Idea.

Wer heimischen Ingwer möchte, kann ihn im Topf, im Hochbeet oder im Gewächshaus selbst ziehen, aber nur mit Ingwer, der ausdrücklich zum Pflanzen verkauft wird. Wie das geht, liest du in Ingwer vorkeimen und Ingwer im Topf pflegen.

Woran erkennst du beim Einkauf die Herkunft?

Ingwer unterliegt laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nicht der EU-Vermarktungsnorm für Obst und Gemüse; die dort geregelte Pflicht zur Angabe des Ursprungslandes gilt für ihn also nicht. Steht die Herkunft auf dem Preisschild oder der Verpackung, ist das in der Regel eine freiwillige Angabe. Fehlt sie, kannst du im Geschäft nachfragen.

Etwas mehr verrät verpackter Bio-Ingwer. Trägt er das EU-Bio-Logo, muss laut Verbraucherzentrale im Sichtfeld des Logos stehen, ob die Zutaten aus EU-Landwirtschaft, Nicht-EU-Landwirtschaft oder beidem stammen. Ein bestimmtes Anbauland erfährst du so allerdings nicht immer. Was amtliche Kontrollen zu Rückständen in Ingwer verschiedener Herkunft gefunden haben, liest du in unserem Artikel Ingwer aus China: Was zeigen die amtlichen Rückstandskontrollen?.

Was regelt die EU für Ingwer zum Anpflanzen – und für Speise-Ingwer?

Mit dem Import hängt eine Frage der Pflanzengesundheit zusammen. Ingwer-Rhizome können das Bakterium Ralstonia pseudosolanacearum in sich tragen, ohne dass man es sieht. Für Mensch und Tier ist das Bakterium nicht gefährlich (Pflanzenschutzdienst Bremen, 2023). Für Pflanzen wie Tomaten, Paprika und Kartoffeln ist es dagegen gefährlich, und die Krankheit ist nur schwer zu bekämpfen. Das Julius Kühn-Institut (JKI) warnt deshalb davor, Ware, die für Konsumzwecke aus Befallsländern importiert wurde, zum Anpflanzen zu verwenden.

Seit dem 15. Oktober 2026 verlangt die EU für Ingwer aus Ländern außerhalb der EU eine amtliche Feststellung zu diesem Bakterium – für Pflanzgut ebenso wie für Rhizome, die nicht zum Anpflanzen bestimmt sind, also auch für Speise-Ingwer (Durchführungsverordnung (EU) 2026/826).

Das kannst du tun

  1. Auf freiwillige Herkunftsangaben achten. Steht das Ursprungsland auf Schild oder Verpackung, weißt du mehr als die Statistik verrät. Die Vermarktungsnorm schreibt die Angabe für Ingwer nicht vor.
  2. Nachfragen, wenn dir die Herkunft wichtig ist. Im Geschäft oder am Marktstand kannst du fragen, woher der Ingwer stammt.
  3. Beim Bio-Ingwer auf die Zeile am EU-Bio-Logo schauen. Dort steht, ob die Zutaten aus EU- oder Nicht-EU-Landwirtschaft stammen.
  4. Frische Ware wählen und richtig lagern. Wähle ein festes, unversehrtes Stück ohne Schimmel und fremden Geruch; woran du gute Ware erkennst, steht in Frischen Ingwer erkennen. Frischen, ungeschälten Ingwer lagerst du dunkel und kühl, in einer Frischhaltetüte im Gemüsefach oder in einer dunklen Speisekammer. So hält er bis zu drei Wochen. Details stehen in Ingwer richtig lagern.
  5. Speise-Ingwer nicht einpflanzen. Ingwer zum Pflanzen kaufst du ausdrücklich als Pflanzgut oder Jungpflanze in einer Gärtnerei oder im Fachhandel. Findest du kein Pflanzgut mit klarer Herkunft, warte lieber, statt Speise-Ingwer zu nehmen.

Häufige Fragen

Ist Ingwer, der über die Niederlande kommt, dort gewachsen?

Das lässt sich aus der Statistik nicht ablesen. Bei Lieferungen aus einem anderen EU-Staat zählt Eurostat das Versendungsland. Die Niederlande selbst führten 2025 vor allem Ingwer aus China, Brasilien und Peru ein. Welcher Teil davon nach Deutschland weiterging, zeigt die Statistik nicht.

Muss die Herkunft am Ingwer angegeben sein?

Nach der EU-Vermarktungsnorm nicht. Ingwer unterliegt laut LfL nicht der EU-Vermarktungsnorm für Obst und Gemüse; deren Pflicht zur Angabe des Ursprungslandes gilt für ihn nicht. Bei verpacktem Bio-Ingwer mit EU-Bio-Logo steht aber, ob er aus EU- oder Nicht-EU-Landwirtschaft stammt. Und für fertig abgepackten Ingwer verlangt das EU-Kennzeichnungsrecht die Herkunftsangabe, wenn du ohne sie über die Herkunft getäuscht werden könntest.

Gibt es frischen Ingwer aus Deutschland zu kaufen?

Eine heimische Handelssaison ist nicht belegt. In Bayern wurde Ingwer in Versuchen der LWG und in einem Praxisbetrieb im ungeheizten Folientunnel angebaut. Selbst ziehen kannst du ihn mit Ingwer, der ausdrücklich zum Pflanzen verkauft wird.

Kann ich Ingwer aus dem Supermarkt einpflanzen?

Nein. Davor warnen das Julius Kühn-Institut und der Pflanzenschutzdienst Bremen, denn Speise-Ingwer kann das Bakterium Ralstonia pseudosolanacearum in sich tragen, ohne dass man es sieht. Nimm Ingwer, der ausdrücklich als Pflanzgut oder Jungpflanze verkauft wird.

Gibt es fairen Ingwer?

Wie viel fair gehandelter Ingwer in Deutschland angeboten wird, haben wir in Behörden- und Forschungsquellen nicht gefunden. Suchst du danach, achte auf ein Siegel und nicht nur auf das Wort „fair“. Der Begriff ist laut Verbraucherzentrale gesetzlich nicht geschützt, und ein einheitliches Siegel gibt es nicht. Seit dem 27. September 2026 sind Nachhaltigkeitssiegel nur noch zulässig, wenn sie auf einer externen Zertifizierung beruhen oder staatliche Stellen sie vergeben. Ware, die schon vorher im Handel war, darf unter Umständen noch zwei Jahre verkauft werden. Besteht ein Produkt nur aus einer Zutat, etwa ein Stück Ingwer, muss es mit Fair-Siegel zu 100 Prozent aus fairen Zutaten bestehen. Für einige Gewürzsorten gibt es im Fairen Handel aber keinen Mindestpreis. Welche das sind, nennt die Verbraucherzentrale nicht. Die Stiftung Warentest hat 2026 vier Nachhaltigkeitssiegel für Lebensmittel bewertet: Drei hatten eine hohe Aussagekraft, eines eine mittlere. Geprüft wurde an Produkten mit Kaffee, Kakao, Tee oder Datteln, nicht an Ingwer.

Ingwer wächst in den Tropen und Subtropen; zu den wichtigsten Anbauländern zählen Indien, Nigeria und China. Nach Deutschland kommt er in jedem Monat des Jahres, zum größten Teil über die Niederlande; direkt aus Ländern außerhalb der EU lieferten 2025 vor allem Peru, China und Vietnam. Woher dein Stück stammt, verrät die Statistik nicht. Achte auf freiwillige Herkunftsangaben und die Zeile am EU-Bio-Logo, frag nach und pflanze Speise-Ingwer nicht ein.

Quellen & Grundlagen

Stand: 2026. Alle Angaben nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Erstellung.

Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI recherchiert und entworfen. Die Abnahme erfolgte durch einen Menschen („Human in the Loop“).