In der Schwangerschaft sollten Arzneimittel mit Ingwer vorsorglich möglichst vermieden werden. Das rät die EU-Arzneimittelbehörde EMA – obwohl Daten aus 300 bis 1.000 Schwangerschaften keine Hinweise auf Fehlbildungen oder Schäden beim Kind ergaben. In der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ebenfalls nicht. Ausnahme ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren. Andere Fachstellen, etwa das Beratungszentrum Embryotox der Charité, kamen laut einer im EMA-Bewertungsbericht zitierten Übersicht von 2017 zu einem weniger strengen Schluss; die EMA hält selbst fest, dass die Bewertungen nicht einheitlich sind. Deshalb sprichst du ein Ingwer-Präparat vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt, deiner Hebamme oder in der Apotheke ab.
Dir ist übel, und im Küchenschrank liegt ein Stück Ingwer? Ingwer gilt als Hausmittel, gerade bei Übelkeit in der Schwangerschaft. Doch was gilt für Ingwer-Präparate in Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit? Und warum ist die EMA vorsichtig, obwohl kein Schaden belegt ist?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die EMA rät, Ingwer-Arzneimittel in der Schwangerschaft vorsorglich möglichst zu meiden. Hinweise auf Schäden beim Kind fand sie nicht. Ihre Vorsicht begründet sie im Bewertungsbericht: Die Tierversuche reichen nicht aus. Und in den meisten Studien ist unklar, welches Produkt in welcher Menge eingenommen wurde.
- Andere Stellen urteilten weniger streng: Laut einer Übersicht von 2017, die der EMA-Bewertungsbericht zitiert, hielt das Beratungszentrum Embryotox Ingwer in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung für anwendbar. Die Schlussfolgerungen der Fachstellen sind laut EMA nicht einheitlich.
- In der Stillzeit ist die Sicherheit laut EMA nicht belegt. Dass Ingwer die Milchmenge steigert, ist nicht überzeugend belegt.
- Für unter 18-Jährige wird die Anwendung nicht empfohlen, weil Daten fehlen. Ausnahme ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren. Kindern unter einem Jahr gibst du laut BfR keinen Honig, also auch nicht im Ingwertee.
Was sagt die EMA zu Ingwer in der Schwangerschaft?
Die Fachleute der EMA für pflanzliche Arzneimittel haben Ingwer im Mai 2025 neu bewertet. Ihre Monografie, also die zusammenfassende Bewertung, gilt für Arzneimittel mit Ingwerpulver oder Ingwertinktur in festgelegter Dosierung. Für Ingwer als Lebensmittel gilt sie nicht. Angaben zu Küchenmengen enthält die Monografie nicht.
Daten aus 300 bis 1.000 Schwangerschaften ergaben keine Hinweise auf Fehlbildungen oder Schäden beim Kind; vorsorglich sollten Ingwer-Arzneimittel in der Schwangerschaft dennoch möglichst vermieden werden. Daten zur Fruchtbarkeit liegen laut Monografie nicht vor.
Wichtig: Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sind kein Anwendungsgebiet der Monografie. Für die frühe Schwangerschaft bis zur 16. Woche fand die EMA keine maßgebliche Studie, die eine gut belegte Anwendung bei leichter Übelkeit und leichtem Erbrechen stützt. Was Übersichtsarbeiten zur Wirkung gegen Schwangerschaftsübelkeit zeigen, steht in unserem Artikel Ingwer bei Übelkeit und Reisekrankheit.
Warum ist die EMA vorsichtig, wenn kein Schaden belegt ist?
Die Gründe stehen in Monografie und Bewertungsbericht:
- Unklare Produkte und Mengen: Welche Ingwerqualität haben die Schwangeren genommen, welche Menge, welche Darreichungsform? In den meisten Studien ist das kaum oder gar nicht festgehalten. Eine Studie mit genau festgelegter Dosierung von Ingwerpulver und Angaben zum Schwangerschaftsverlauf fand die EMA nur einmal. Es war eine kleine Studie mit 32 Schwangeren.
- Lücken bei den Tierversuchen: Die Tierstudien zur Fortpflanzung reichen laut Monografie nicht aus. Angemessene Tests zur Reproduktionstoxizität fehlen – also zur Frage, ob ein Stoff der Fortpflanzung schadet. In Versuchen mit trächtigen Nagetieren gingen nach Ingwerpulver oder wässrigen Auszügen häufiger Embryonen verloren. Die Dosen lagen etwas bis einige Male über der therapeutischen Dosis beim Menschen. Insgesamt waren die Ergebnisse bei Mäusen und Ratten uneinheitlich.
- Offene Fragen aus Beobachtungsstudien: Eine große Studie aus Norwegen erfasste 1.020 Schwangere, die Ingwer genommen hatten. Sie fand kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Blutungen nach der 17. Woche traten aber etwas häufiger auf. Das kann am Zufall, an den Beschwerden selbst oder am Ingwer liegen, schreiben die Autorinnen und Autoren. In einer kleineren Studie aus Südkorea traten etwas mehr Totgeburten auf. Dort schwankten die Mengen stark, teils kamen andere pflanzliche Mittel hinzu. Der Befund muss erst bestätigt werden. Beide Autorengruppen halten weitere Studien zur Sicherheit für nötig.
Unterm Strich reichen die vorhandenen Daten laut EMA derzeit nicht aus, um ihre vorsorgliche Empfehlung aus der ersten Fassung der Monografie zu ändern.
Warum haben andere Stellen das anders bewertet?
Das Risiko von Ingwer in der Schwangerschaft haben mehrere Institute und Behörden bewertet. Ihre Schlussfolgerungen sind laut EMA derzeit nicht einheitlich. Der Bewertungsbericht von 2025 nennt dazu zwei Beispiele aus einer Übersicht von 2017: Das Beratungszentrum Embryotox der Charité fasste zusammen, dass Ingwer in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung angewendet werden kann; zu beachten sei, dass unerwünschte Wirkungen häufig auftraten. Der britische Informationsdienst UKTIS sah trotz kleiner Fallzahlen keinen Hinweis darauf, dass Ingwer-Produkte in der Schwangerschaft dem Kind schaden.
In der Datenlage waren sich die Stellen also weitgehend einig: Ein Schaden beim Kind ist nicht erkennbar, die Studien sind aber begrenzt. Sie zogen daraus nur unterschiedliche Schlüsse. Die EMA hält fest, dass zusätzliche Daten nötig sind, um die sichere Anwendung von Ingwer-Arzneimitteln in der Schwangerschaft zu zeigen – zusätzlich zur normalen Verwendung von Ingwer in Lebensmitteln. Für dich heißt das: Nimm Ingwer-Präparate in der Schwangerschaft nicht auf eigene Faust ein. Wäge das gemeinsam mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme ab.
Und bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Ingwer?
Für Nahrungsergänzungsmittel mit Ingwer gibt es keine Bewertung der EMA. Die Verbraucherzentrale führt in ihrer Übersicht zu deren Inhaltsstoffen bei Ingwer Schwangerschaftserbrechen als Gegenanzeige auf. Gegenanzeige heißt: In diesem Fall soll das Mittel nicht genommen werden. Außerdem nennt sie je nach Dosierung Kinder unter 6 beziehungsweise unter 18 Jahren. Grundlage ist eine Stoffliste von Bund und Ländern aus dem Jahr 2014.
Was gilt in der Stillzeit?
Laut EMA ist die Sicherheit in der Stillzeit nicht belegt. Mangels ausreichender Daten wird die Anwendung von Ingwer-Arzneimitteln nicht empfohlen.
In Thailand und einigen Ländern Südostasiens wird Ingwer verwendet, um die Milchmenge zu steigern. Eine Übersichtsarbeit fand dazu laut EMA widersprüchliche Ergebnisse und keinen starken Beleg für eine Wirkung. Nebenwirkungen durch Ingwer wurden nicht berichtet. Zur längeren Anwendung bei Müttern und Säuglingen gibt es aber keine Aussage.
Pflanzenbestandteilen wie Fenchelsamen oder Bockshornklee wird nachgesagt, die Milchbildung zu fördern. Dasselbe gilt für sogenannte „Milchbildungstees“. Studien, die das belegen, gibt es nicht. So schreibt es das Netzwerk Gesund ins Leben ganz allgemein – Ingwer nennt es dabei nicht. Gut belegt ist dagegen, dass häufiges Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt hilft, die Milchbildung aufzubauen.
Was gilt für Kinder?
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung von Ingwer-Arzneimitteln nicht empfohlen; Ausnahme ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren. Die EMA begründet das mit unzureichenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit. Für Kinder unter 6 Jahren ist auch die Anwendung bei Reisekrankheit mangels geeigneter Daten nicht belegt. Die Mengen ab 6 Jahren stehen im Artikel zu Übelkeit und Reisekrankheit. Maßgeblich ist die Packungsbeilage.
Ist Ingwer im Essen oder als Tee für Babys und Kleinkinder geeignet, und ab welchem Alter? Das bewerten die von uns ausgewerteten Quellen nicht. Zwei allgemeine Regeln betreffen aber auch Ingwer:
- Kein Honig im ersten Lebensjahr: Honig ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine bekannte Quelle für Säuglingsbotulismus. Deshalb sollte er nicht an Kinder unter einem Jahr gegeben werden. Das gilt auch, wenn du Ingwertee mit Honig abschmeckst.
- Gewürzte Speisen durcherhitzen: Trockene Gewürze wie Ingwerpulver können geringe Mengen krankheitserregender Keime enthalten. Erhitze damit gewürzte Speisen für Kinder mindestens zwei Minuten auf über 70 °C. Das rät das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Mehr zu Ingwerpulver steht in Ingwer frisch, getrocknet oder als Pulver.
So gehst du vor
- Vor jeder Einnahme fragen: Bist du schwanger, halte vor der Einnahme von Medikamenten immer Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das gilt auch für rezeptfreie Mittel. So rät es das Netzwerk Gesund ins Leben. Bei Beschwerden wie Übelkeit helfen dir auch Hebammen weiter.
- Produkt einordnen: Zugelassene Arzneimittel tragen eine Zulassungsnummer („Zul.-Nr.“). Traditionelle pflanzliche Arzneimittel tragen eine Registrierungsnummer („Reg.-Nr.“). Nur bei Arzneimitteln müssen Hersteller im Beipackzettel über Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen informieren. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel. Mehr zur Einordnung steht in Was Ingwer kann – und was nicht.
- Auf Alkohol achten: Das Netzwerk Gesund ins Leben rät, während der ganzen Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten. Die Ingwertinkturen der Monografie werden mit Ethanol hergestellt, also mit Alkohol. Die Kennzeichnung muss laut EMA darauf hinweisen. Frag bei Tropfen deshalb in der Apotheke nach.
- In der Stillzeit vorher fragen: Die EMA empfiehlt Ingwer-Arzneimittel in der Stillzeit mangels Daten nicht. Möchtest du trotzdem ein Ingwer-Präparat nehmen, sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt, deiner Hebamme oder in der Apotheke.
- Warnzeichen ernst nehmen: Übelkeit und Erbrechen legen sich meist bis zur 20. Woche. Das schreibt familienplanung.de vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Erbrichst du dich öfter als fünfmal am Tag und verlierst mehr als fünf Prozent deines Gewichts? Dann musst du zur Ärztin oder zum Arzt.
- Bei Sorgen um die Milchmenge: Hast du das Gefühl, die Milch reicht nicht? Dann kannst du deine Hebamme oder qualifizierte Stillberatende um Rat fragen. Stillen nach Bedarf fördert die Milchbildung. Beides steht beim Netzwerk Gesund ins Leben.
- Bei Kindern: Gib Ingwer-Präparate nur nach Beratung in der Kinderarztpraxis oder Apotheke. Achte auf die Altersangabe in der Packungsbeilage. Babys unter einem Jahr bekommen keinen Honig.
- Bei Beschwerden: Werden sie während der Anwendung eines Ingwer-Arzneimittels schlimmer? Dann hol dir ärztlichen oder fachkundigen Rat, etwa in der Apotheke. Das rät die EMA. Bei Überempfindlichkeit gegen Ingwer wendest du Ingwer-Arzneimittel nicht an.
Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen es noch gibt, erklärt Ingwer: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Einen Überblick über Herkunft, Lagerung und Anbau bietet unser Ingwer-Wiki.
| Punkt | Empfehlung der EMA (Ingwer-Arzneimittel) | Grundlage |
|---|---|---|
| Schwangerschaft | vorsorglich möglichst vermeiden | Daten aus 300 bis 1.000 Schwangerschaften ohne Hinweise auf Fehlbildungen oder Schäden beim Kind; Tierstudien zur Fortpflanzung unzureichend |
| Stillzeit | nicht empfohlen | Sicherheit nicht belegt, keine ausreichenden Daten |
| Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren | nicht empfohlen; Ausnahme: traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren | unzureichende Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit |
| Fruchtbarkeit | keine Angabe | keine Daten |
| Nahrungsergänzungsmittel | keine Bewertung der EMA | laut Verbraucherzentrale Gegenanzeige Schwangerschaftserbrechen; je nach Dosierung nicht für Kinder unter 6 bzw. 18 Jahren |
Häufige Fragen
Darf ich in der Schwangerschaft Ingwertee trinken?
Die Bewertung der EMA gilt für Ingwer-Arzneimittel, nicht für Tee oder Ingwer im Essen. Angaben zu Küchenmengen enthält sie nicht. Auch eine Tageshöchstmenge nennen die von uns ausgewerteten Behördenquellen nicht. Für Kräutertees allgemein rät das Netzwerk Gesund ins Leben Schwangeren, sie selten zu trinken und die Sorten zu wechseln. Ingwer nennt es dabei nicht eigens. Hast du einen empfindlichen Magen, fang mit kleinen Stücken an. Das rät das BZfE. Bei Unsicherheit fragst du deine Hebamme oder in der Arztpraxis.
Fördert Ingwer die Milchbildung?
Dafür gibt es laut EMA keinen starken Beleg. Eine Übersichtsarbeit fand widersprüchliche Ergebnisse. Gut belegt ist dagegen, dass häufiges Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt die Milchbildung aufbaut. Das schreibt das Netzwerk Gesund ins Leben.
Ab welchem Alter dürfen Kinder Ingwer-Präparate bekommen?
Für unter 18-Jährige wird die Anwendung von Ingwer-Arzneimitteln nicht empfohlen. Ausnahme ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren. Sprich vorher mit der Kinderarztpraxis oder in der Apotheke.
Nach heutiger Datenlage ist ein Schaden beim Kind durch Ingwer nicht erkennbar. Die Studien sind aber begrenzt. Deshalb rät die EMA, Ingwer-Arzneimittel in der Schwangerschaft vorsorglich möglichst zu meiden. In der Stillzeit empfiehlt sie sie nicht. Für unter 18-Jährige empfiehlt sie sie ebenfalls nicht, außer bei Reisekrankheit ab 6 Jahren. Andere Stellen, etwa Embryotox, urteilten laut einer im EMA-Bewertungsbericht zitierten Übersicht von 2017 weniger streng; einheitlich sind die Bewertungen laut EMA nicht. Nimm Ingwer-Präparate deshalb nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt, Hebamme oder Apotheke. Und gib Babys unter einem Jahr keinen Honig.
Quellen & Grundlagen
- EMA — European Union herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma, Revision 1 (07.05.2025)
- EMA — Assessment report on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma, Revision 1, EMA/HMPC/765220/2022 (07.05.2025)
- Verbraucherzentrale — Wechsel- und Nebenwirkung, Gegenanzeige – was Nahrungsergänzung verschweigt (Seitenstand 17.07.2026; Ingwer-Eintrag ohne eigenes Datum)
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE) — Alkohol, Rauchen, Medikamente in der Schwangerschaft (Stand 07.07.2026)
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE) — Essen und Trinken in der Schwangerschaft (Stand 07.07.2026)
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE) — Essen und Trinken in der Stillzeit (Stand 20.02.2026)
- familienplanung.de (BIÖG) — Starkes Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) (07.01.2026)
- BfR — Selten, aber vermeidbar: Fragen und Antworten zum Botulismus (12.11.2025)
- BZfE — Gewürze und Kräuter sicher genießen (11.03.2026)
- BZfE — Ingwer – die scharfe Knolle (28.01.2026)
- Arzneimittelgesetz (AMG), § 10 Kennzeichnung (geltende Fassung, abgerufen 17.10.2026)
Stand: 2026. Alle Angaben nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Erstellung.
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI recherchiert und entworfen. Die Abnahme erfolgte durch einen Menschen („Human in the Loop“).


