Ernährung · Ingwer

Ingwer bei Erkältung: was belegt ist und was nicht

Ingwertee gilt als Hausmittel bei Erkältung. Was EMA und Behörden dazu sagen, was allgemein hilft und wann du ärztlichen Rat brauchst.

Emanuel Goldstein 17. Oktober 2026 10 Min Lesezeit

Teil des Themas: Ingwer →

Glas mit hellem Tee und Zimtstange, davor frischer Ingwer und Zimtstangen auf einem Holzbrett

Heller Tee, daneben frischer Ingwer und Zimt. Foto: Julia Topp / Unsplash

Dass Ingwer vor Erkältungen schützt oder das Immunsystem stärkt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA führt die Linderung von Erkältungsbeschwerden für Ingwer-Arzneimittel nur als traditionelle Anwendung, die ausschließlich auf langjähriger Erfahrung beruht. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) nennt Ingwertee bei einer beginnenden Erkältung ein bewährtes Hausmittel. Für Ingwer ist im EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben keine zugelassene Angabe eingetragen.

Die Nase läuft, der Hals kratzt, und du greifst zur Ingwerknolle. Ingwer soll bei Erkältungen helfen und die Abwehrkräfte stärken. Doch was davon ist geprüft? Die Antwort hat zwei Teile: was die EMA zu Ingwer bei Erkältung sagt – und was das für deinen Ingwertee bedeutet. Danach geht es darum, was allgemein hilft und wann du ärztlichen Rat brauchst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Für Ingwer-Arzneimittel gilt die Linderung von Erkältungsbeschwerden als traditionelle Anwendung. Das heißt: Sie beruht ausschließlich auf langjähriger Erfahrung, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis aus Studien.
  • Dass Ingwer das Immunsystem stärkt oder vor Erkältungen schützt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Werbung mit dem Vorbeugen oder Bekämpfen von Erkältungen ist für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt.
  • Eine Erkältung verläuft in der Regel mild. Hol dir ärztlichen Rat bei hohem Fieber, Atemnot oder schmerzhaftem Husten. Das gilt auch, wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage bessern oder sich verschlechtern.

Was sagt die EU-Arzneimittelbehörde EMA zu Ingwer bei Erkältung?

Pflanzliche Arzneimittel mit Ingwer hat der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA im Mai 2025 neu bewertet. Seine Monografie gilt für Arzneimittel mit Ingwerpulver oder Ingwertinktur in festgelegter Dosierung, nicht für Ingwer als Lebensmittel. Als gut belegte Anwendung führt die EMA nur eine auf: die Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit.

Bei Erkältungsbeschwerden, leichten Gelenkschmerzen, leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und vorübergehender Appetitlosigkeit gelten Ingwer-Arzneimittel als traditionelle pflanzliche Arzneimittel – diese Anwendungen beruhen ausschließlich auf langjähriger Erfahrung. Für eine solche traditionelle Anwendung prüft die EMA zwei Dinge. Erstens, ob Ingwer bei üblicher Anwendung nicht schädlich ist. Zweitens, ob seine Wirksamkeit aufgrund der langjährigen Anwendung plausibel erscheint. Beides sieht sie für die Linderung von Erkältungsbeschwerden erfüllt. Ein Wirksamkeitsnachweis aus Studien ist das nicht.

Woher kommt diese Anwendung überhaupt? Das zeigt der Bewertungsbericht der EMA. In der dort ausgewerteten Fachliteratur, einem Handbuch von 1992, war Ingwer als Mittel bei Bronchitis beschrieben. Die Fachleute der EMA haben diese Angabe – wie in früheren Monografien – als Linderung von Erkältungsbeschwerden formuliert. Der Grund: Traditionelle Anwendungen müssen sich für die Selbstbehandlung eignen, also ohne ärztliche Diagnose oder Überwachung. Eine Anwendung bei Bronchitis sieht die Monografie nicht vor.

Die Monografie zieht dabei klare Grenzen. Du nimmst ein Ingwer-Arzneimittel, aber die Erkältungsbeschwerden halten länger als eine Woche an? Oder sie verschlimmern sich? Dann frag in der Arztpraxis oder Apotheke nach. Das rät die EMA. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung bei Erkältung nicht empfohlen. Der Grund: Es fehlen ausreichende Daten. Angaben zu Küchenmengen enthält die Monografie nicht.

Hilft Ingwertee bei Erkältung?

Das BZfE bezeichnet Ingwertee bei einer beginnenden Erkältung oder leichten Magenbeschwerden als bewährtes Hausmittel. Die EMA bewertet in ihrer Monografie aber Arzneimittel in festgelegter Dosierung. Einen Tee aus frischem Ingwer bewertet sie nicht. Eine Wirkung von Ingwertee ist damit nicht belegt.

Beim Einordnen hilft ein Blick auf die Grippe. Bei Grippe nutzen viele Menschen Hausmittel wie Hühnerbrühe, Kräutertees oder Inhalieren, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie wollen damit Beschwerden lindern, oder es tut ihnen gut. Wissenschaftliche Belege, dass sich die Genesung dadurch beschleunigt, gibt es laut IQWiG nicht.

Tut dir ein warmer Ingwertee gut, spricht nichts dagegen, ihn zu trinken. So bereitest du ihn laut BZfE zu: Ein drei bis fünf Zentimeter großes Stück frischen Ingwer schneidest du in dünne Scheiben. Darüber gießt du etwa einen Liter heißes Wasser. Dann lässt du den Ingwer etwa zehn Minuten ziehen. Bei empfindlichen Schleimhäuten und Mägen kann der scharfe Ingwer laut BZfE reizend wirken – im Zweifel mit kleinen Stücken beginnen. Schritt für Schritt erklären wir das in Ingwertee richtig zubereiten. Statt Nahrungsergänzungsmitteln für das Immunsystem schlägt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz selbst gemachte Heißgetränke vor. Dazu zählt auch Tee aus einem Stück Ingwer. Süßen kannst du nach Bedarf, und du hast die Zuckermenge im Blick. Außerdem verzichtest du auf unnötige Zusatzstoffe.

Stärkt Ingwer das Immunsystem?

Dass Ingwer das Immunsystem stärkt oder vor Erkältungen schützt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Für Ingwer ist im EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben keine zugelassene Angabe eingetragen; das haben wir am 17.10.2026 erneut geprüft. Für viele Pflanzenstoffe ist die Prüfung durch die EU noch nicht abgeschlossen; Aussagen, die vor dem 19.01.2008 beantragt wurden, dürfen bis dahin weiter verwendet werden. Heilversprechen sind für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel immer verboten.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wird konkret. Aussagen wie „stärkt das Immunsystem“ sind nicht erlaubt. Aussagen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Erkältungen sind verboten. Auch bei anderen Mitteln ist der Nutzen offen. Hilft es, Vitamine, Mineralstoffe oder Kräuter einzunehmen, um akuten Atemwegserkrankungen vorzubeugen? Das ist laut IQWiG bisher nicht geklärt. Was in fertigen Ingwershots steckt, liest du in Ingwershots: kaufen oder selbst machen.

Was hilft bei einer Erkältung – ganz ohne Ingwer?

Ab hier geht es um Erkältungen allgemein. Mit Ingwer hat das nichts zu tun. Erkältungen sind in der Regel mild verlaufende Atemwegsinfektionen, schreibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Meist sind Viren die Ursache. Bei akutem Husten, zum Beispiel durch eine Erkältung, ist eine Behandlung mit Medikamenten laut IQWiG meist nicht nötig. Der Husten verschwindet in der Regel nach wenigen Wochen von selbst. Und Antibiotika? Gegen Atemwegsinfektionen, die von Viren ausgelöst werden, sind sie laut BIÖG unwirksam. Erst wenn Anzeichen für eine bakterielle Infektion auftreten, verordnet die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls ein Antibiotikum.

Gegen den Hustenreiz nennt das IQWiG einfache Mittel. Halte die Atemwege feucht. Meide Auslöser wie trockene Luft oder Rauch. Einige Menschen empfinden es als angenehm, zu inhalieren, viel zu trinken oder Bonbons zu lutschen. Ausprobieren kann man laut IQWiG auch pflanzliche Mittel, etwa mit Efeu-, Thymian- oder Primelwurzel-Extrakten. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Rauchen kann eine Erkältung verlängern.

Und Vitamin C oder Zink? Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz schreibt: Ein Nutzen der vorsorglichen Einnahme von Vitamin C gegen Erkältungen konnte nach Auswertung verschiedener Studien nicht belegt werden. Auch für Zink gibt es keine Belege, dass es Erkältungen vorbeugt. Bei einer Erkältung sei eher Schonung angesagt.

Wann gehört eine Erkältung in die Arztpraxis?

Du fühlst dich schwer krank? Die Beschwerden bessern sich nicht innerhalb weniger Tage, oder sie verschlechtern sich? Dann ist es laut BIÖG ratsam, eine Arztpraxis zu kontaktieren. Das gilt auch bei hohem Fieber, eitrigem Nasensekret, Husten mit Auswurf, schmerzhaftem Husten, Atemnot oder beschleunigter Atmung. Gehörst du zu einer Risikogruppe für einen schweren Verlauf? Dann solltest du bei Beschwerden einer Atemwegsinfektion generell ärztlichen Rat einholen. Kommen zum Husten anhaltend hohes Fieber, Luftnot, Brustschmerzen, Herzrasen oder blutiger Auswurf hinzu? Dann ist ein Arztbesuch laut IQWiG notwendig. Hält ein Husten länger als acht Wochen an, sind weitere ärztliche Untersuchungen sinnvoll.

Wichtig ist auch die Abgrenzung. Grippe, Erkältung und Covid-19 können sich ähneln. Allein anhand der Symptome lassen sie sich laut IQWiG nicht unterscheiden. Bei grippeähnlichen Beschwerden kann es ratsam sein, eine Ärztin oder einen Arzt hinzuzuziehen. Das gilt vor allem bei einem erhöhten Risiko für Komplikationen. Ein solches Risiko besteht etwa ab 60 Jahren, bei Säuglingen und Kleinkindern und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Dasselbe gilt bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Diabetes.

Was gilt für Ingwer-Präparate und Medikamente?

Als Arzneimittel eingenommen treten häufig – bei 1 bis unter 10 von 100 Behandelten – Magenbeschwerden, Aufstoßen, Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen und Übelkeit auf. Auch Überempfindlichkeitsreaktionen kommen vor (Häufigkeit nicht bekannt); wer überempfindlich auf Ingwer reagiert, darf Ingwer-Arzneimittel nicht anwenden. Für Arzneimittel mit Ingwer nennt die EU-Arzneimittelbehörde EMA keine bekannten Wechselwirkungen. Daten aus 300 bis 1.000 Schwangerschaften ergaben keine Hinweise auf Fehlbildungen oder Schäden beim Kind; vorsorglich sollten Ingwer-Arzneimittel in der Schwangerschaft dennoch möglichst vermieden werden, in der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung ebenfalls nicht empfohlen; Ausnahme ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren.

Für Nahrungsergänzungsmittel mit Ingwer weist die Verbraucherzentrale dagegen auf mögliche Wechselwirkungen hin – etwa mit blutzuckersenkenden Medikamenten und mit Mitteln, die die Blutgerinnung hemmen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, klärt solche Präparate besser vorher ärztlich oder in der Apotheke ab. Wichtig dabei: Ein Extrakt in einem Nahrungsergänzungsmittel muss laut Verbraucherzentrale nicht mit einem Arzneimittelextrakt vergleichbar sein. Die Bewertung der EMA lässt sich also nicht einfach auf Kapseln übertragen. Mehr dazu in Ingwer: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Das kannst du bei einer Erkältung tun

  1. Schonen: Bei einer Erkältung ist eher Schonung angesagt als ein „Immunbooster“. So sieht es die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
  2. Atemwege feucht halten: Meide trockene Luft und Rauch.
  3. Ingwertee, wenn er dir guttut: Er ist ein Hausmittel, keine belegte Behandlung. Bei empfindlichem Magen fängst du mit kleinen Stücken an.
  4. Antibiotika nur nach ärztlicher Entscheidung: Gegen Atemwegsinfektionen durch Viren sind Antibiotika laut BIÖG unwirksam. Erst bei Anzeichen einer bakteriellen Infektion verordnet die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls eines.
  5. Andere schützen: Wasch dir häufig die Hände mit Seife. Huste oder niese in die Armbeuge oder ein Taschentuch. Lüfte regelmäßig. Und triff bei Erkältungsbeschwerden in den ersten Tagen möglichst wenige Menschen. So rät es das IQWiG.
  6. Präparate einordnen: Die Bewertung der EMA gilt nur für Arzneimittel, nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Wie du Werbeversprechen einordnest, steht in Was Ingwer kann – und was nicht.
  7. Bei Medikamenten vorher fragen: Nimmst du regelmäßig Medikamente? Dann klärst du Ingwer-Präparate vorher ärztlich oder in der Apotheke ab. Das gilt besonders bei Blutzuckersenkern oder Gerinnungshemmern.
  8. Warnzeichen ernst nehmen: Bei den oben genannten Warnzeichen holst du ärztlichen Rat ein. Das gilt auch, wenn Erkältungsbeschwerden trotz eines Ingwer-Arzneimittels länger als eine Woche anhalten.

Herkunft, Lagerung und Anbau bündelt unser Ingwer-Wiki.

Punkt Angabe der EMA-Monografie (Ingwer-Arzneimittel)
Einstufung bei Erkältung traditionelle Anwendung: Linderung von Erkältungsbeschwerden, ausschließlich auf langjähriger Erfahrung beruhend
Gilt für Arzneimittel mit Ingwerpulver oder Ingwertinktur in festgelegter Dosierung, nicht für Ingwer als Lebensmittel
Ärztlicher oder fachkundiger Rat wenn Beschwerden während der Anwendung länger als eine Woche anhalten oder sich verschlimmern
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei Erkältung nicht empfohlen
Schwangerschaft und Stillzeit vorsorglich möglichst vermeiden; in der Stillzeit nicht empfohlen
Küchenmengen keine Angaben

Häufige Fragen

Hilft Ingwertee bei Erkältung?

Das BZfE nennt Ingwertee bei einer beginnenden Erkältung ein bewährtes Hausmittel. Die EMA führt die Linderung von Erkältungsbeschwerden für Ingwer-Arzneimittel nur als traditionelle Anwendung, die ausschließlich auf langjähriger Erfahrung beruht – und sie bewertet Arzneimittel in festgelegter Dosierung, keinen Tee. Eine Wirkung von Ingwertee ist damit nicht belegt.

Kann Ingwer einer Erkältung vorbeugen?

Dass Ingwer das Immunsystem stärkt oder vor Erkältungen schützt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Auch ob Vitamine, Mineralstoffe oder Kräuter akuten Atemwegserkrankungen vorbeugen, ist laut IQWiG bisher nicht geklärt. Regelmäßiges Händewaschen und Niesen oder Husten in die Armbeuge oder ein Taschentuch können dagegen die Ausbreitung von Krankheitserregern verhindern. Auch das schreibt das IQWiG.

Dürfen Kinder bei Erkältung Ingwer-Arzneimittel nehmen?

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung bei Erkältung laut EMA nicht empfohlen, weil ausreichende Daten fehlen. Die einzige Ausnahme in der Monografie ist die traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit ab 6 Jahren.

Wie viel Ingwer kann ich täglich essen?

Für Ingwer in der Küche nennen die von uns ausgewerteten Behördenquellen keine Tageshöchstmenge. Das BZfE weist darauf hin, dass scharfer Ingwer empfindliche Schleimhäute und Mägen reizen kann – im Zweifel mit kleinen Mengen beginnen.

Ingwer ist bei Erkältung ein Hausmittel, kein belegtes Heilmittel. Die EMA führt die Linderung von Erkältungsbeschwerden für Ingwer-Arzneimittel nur als traditionelle Anwendung. Einen Schutz vor Erkältungen oder eine Stärkung des Immunsystems belegt keine der von uns ausgewerteten Quellen. Tut dir Ingwertee gut, trink ihn. Schon dich, halt die Atemwege feucht, schütze andere vor Ansteckung und hol bei Warnzeichen oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat ein.

Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI recherchiert und entworfen. Die Abnahme erfolgte durch einen Menschen („Human in the Loop“).